Das Medien-Phänomen Thilo Sarrazin

“Don’t feed the troll” ist eine Aufforderung, die man oft in Foren findet, wenn ein User als “Störer” empfunden wird und nicht beachtet werden soll. In der politischen Medienlandschaft gehört jedoch ein gewisses Maß an Trollerei zum notwendigen Handwerk. Auf die Spitze treibt es seit einigen Jahren Berlins ehemaliger Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD). Mit markigen Sprüchen gegen Immigranten und soziale Leistungsempfänger konnte der Landespolitiker seinen medialen Bekanntheitsgrad auf Bundesniveau steigern. So sehr, dass selbst Frank Plasberg es für nötig hielt, Sarrazin eine ganze Sendung zu widmen.

Thilo Sarrazin bei Spiegel Online am 27.11.2009

Thilo Sarrazin bei Spiegel Online am 27.11.2009


Ob diese Welle der Beachtung zu seiner Beförderung in den Vorstand der Deutschen Bundesbank beigetragen hat, wäre Gegenstand von Spekulationen. Fakt ist hingegen, dass ein einfacher Landespolitiker als Polit-Troll bundesweite Aufmerksamkeit erreicht hat. Er scheint inzwischen für die Medien so wichtig zu sein, dass er es jetzt auch mit einer Allerwelts-Meinung über die Bundesregierung, der kaum jemand widersprechen wird, bei Spiegel Online auf der Startseite mit auffälligem Bild locker ins obere Drittel schafft. Zwar hat er inzwischen eine bundesweite Funktion, doch ist er nicht der Bundesbankpräsident, sondern nur ein einfaches Vorstandsmitglied.
Unter normalen Umständen wird die private Meinungsäußerung eines solchen Funktionsträgers nur am Rande erwähnt. Normal ist Thilo Sarrazin beziehungsweise seine mediale Laufbahn aber nicht. Er hat sich in der deutschen Öffentlichkeit mit der Methode “um jeden Preis auffallen” hoch gedient. Dankbar hat die Presse in den letzten Jahren seine vielen für einen SPD-Politiker inakzeptablen Ausbrüche aufgenommen. Wird jetzt zurück gedankt?

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