Sinnvolles Informationsmanagement im Social Web

twitter_logo Als ich 2004 mit dem Bloggen anfing, hatten wir ja nichts. Twitter, Facebook, die diversen VZs oder Mister Wong gab es noch nicht und Delicious kannte ich noch nicht. Da war es zwangsläufig so, dass fast jeder artikulierbare Gedanke spontan gebloggt wurde. Alle Themen, kreuz und quer, auch viel Unsinn. Ein kleiner aber feiner Kreis von regelmäßigen Lesern und Kommentare-Schreibern gab es auch.

Delicious

Dann folgte eine längere Phase der Inaktivität und später habe ich mich dann immer mehr mit den “sozialen Netzwerken” angefreundet. Im Moment konzentriert sich sehr viel auf Twitter mit mehreren projektbezogenen Accounts, Delicious und Mister Wong, speziell zum Ablegen von medienrelevanten Bookmarks.

Heute, fünf Jahre später, ist es also nicht mehr so, dass man nur noch die eine Plattform für das persönliche Informationsmanagement nutzt. Das ist auch naheliegend, denn die Informationsdichte hat zugenommen und somit auch der Mitteilungs- und Verbreitungsdrang. Diesen bewältigt man sinnvoll nur mit einer inhaltlichen Trennung und so ist ein Blog eben nicht mehr Plattform für alles.

Im Falle von webthemen.de hat dies gerade in diesem Jahr dazu geführt, dass kaum noch gebloggt wurde. Wenn sich eine bestimmte Info auf 140 Zeichen bei Twitter oder auf einen “social” Bookmark begrenzen lässt, glaubt man halt gerne, dass man sich jeden weiteren Aufwand sparen könne. Darüber freuen sich dann die Betreiber dieser externen Dienste, während das eigene Blog verkümmert.
Das ist kein guter Trend, der übrigens bei vielen Bloggern, auch gerade aus der damaligen Zeit, erkennbar ist. Zwar ist weder das übliche Twitter-Bashing noch ein Verfallen in eine “früher war alles besser”-Melancholie angebracht. Ganz im Gegenteil, was heute im Social Web möglich ist, ist fantastisch. Trotzdem ist eine Rückbesinnung auf frühere Methoden des Informationsmanagements sinnvoll, denn das schnelle Taggen von Bookmarks und Twittern führt zu einer grandiosen Oberflächlichkeit. Viele wertvolle Infos rauschen gerade noch ins Kurzzeitgedächtnis und sind dann fix verloren.

Welche Konsequenzen sind zu ziehen? Keine großen. Aber wenn es in einigen Tagen wieder darum geht, sich gute Vorsätze zurechtzulegen, könnte einer lauten: Mehr bloggen, um etwas mehr Nachhaltigkeit in die eigene Informations-Sortierung rein zu bringen. Da muss man dann wohl für sich selbst die optimale Methode finden. Ideal könnte sein, bestimmte Tweets und Bookmarks mit dem Stichwort “blog_it” zu kennzeichnen. Dann könnte man zu einem bestimmten Zeitpunkt die so markierten Links bearbeiten und verbloggen. Denn erst dann beschäftigt man sich wirklich mit dem jeweiligen Thema und erst dann besteht die Chance zur Aktivierung des eigenen Langzeitgedächtnisses.
Twittern und Bookmarks taggen werden sicherlich noch für lange Zeit gute Maßnahmen sein, um Infos schnell festzuhalten und zu publizieren. Konservieren und ergänzen kann man sie aber besser im eigenen Blog,

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2 Antworten auf Sinnvolles Informationsmanagement im Social Web

  1. Marc sagt:

    Ein aus meiner Sicht absolut treffender Blog-Beitrag! Genau das hatte ich mir die letzten Monate auch schon gedacht. Immer mehr wurde es doch Mode, nur auf “was cooles” im Netz zu verlinken und nicht mehr selbst der “Verfasser” zu sein.Ich habe mir auch vorgenommen, mal wieder selbst aktiven Inhalt zu produzieren und nicht mehr nur auf “haste schon gesehen?”-Websites zu verlinken. Irgendwann gehen auch diese Informationsquellen aus, wenn diese sich so verhalten. Ich merke es ja auch selbst im Blog: Die meisten Zugriffe erfolgen auf die Seiten, auf welchen man etwas “neues” geboten bekommt(“Kommentare in WP anpassen”, oder “Suchergebnisse in WP anpassen”, etc.).
    Delicious, Twitter, Facebook und Co. verleiten leider dazu, dass man nur noch oberflächlich auf lesenswerte Artikel verweist, solche aber immer seltener selbst verfasst.Letzteres sollte aber weiter gefördert werden – sonst landen wir im Endeffekt immer bei professionell vermarkteten Artikeln und nicht mehr bei den einst so beliebten sehr persönlichen und unprofessionellen aber qualitativ hochwertigen Inhalten.

  2. Jan sagt:

    Kleine Ergänzung, auch zum Blog-Beitrag: Ich sah bei mir so einen negativen Trend, was das “Informationsmanagement” betrifft. Wenn ich sage, dass ich das bei anderen Bloggern auch zu erkennen glaube, habe ich da niemanden persönlich im Visier gehabt.
    Letztlich muss es gelingen, das richtige Maß zwischen Publizieren auf der eigenen Plattform und bei anderen Diensten zu finden. Ich werde wahrscheinlich konkret damit anfangen, ca. einmal pro Woche so ne Art “Best of” über das, was ich jew. zuletzt bei Twitter & Co. gepostet habe, im Blog zusammenzufassen – natürlich nur die relevanten Dinge. Letztlich ist gerade Twitter auch eine richtig gute Informationsquelle, wenn man gezielt anfängt, Leuten zu followen bzw. entsprechende Listen von anderen Twitterern anlegt, die “meine” Themen behandeln. Das ist also wiederum ein Plädoyer für die Nutzung der Social Networks. Egal ob Twitter oder Facebook. Letzteres ist mir persönlich etwas zu “groß” (zuviel Ablenkung durch andere “Anwendungen”). Ich schließe aber nicht aus, dass ich das in ein paar Wochen wieder ganz anders sehe… ;)

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