PR-GAU: Lutz Heilmann versus Wikipedia

Hätte man mich gestern gefragt, wer Lutz Heilmann ist, hätte ich mit den Achseln gezuckt. Erst recht hätte ich nichts über die mutmaßliche Vergangenheit des Abgeordneten der Linkspartei sagen können. Warum sollte ich mich auch für die Biographie irgendeines Hinterbänklers im Bundestag interessieren?
Erst heute interessiert mich dieser Politiker, denn erst heute macht er Schlagzeilen. Wer heute “wikipedia.de” aufruft, erfährt von einer Einstweiligen Verfügung durch Heilmann, die der “Wikimedia Deutschland” verbietet, auf “de.wikipedia.org” weiterzuleiten.

Erst jetzt bekommt er das, was er wohl eigentlich verhindern wollte: Negative Aufmerksamkeit! Allen voran die Mainstream-Medien, gefolgt von zahlreichen Bloggern und Foren.
Sucht man bei Google nach “Lutz Heilmann”, beschäftigen sich schon heute sechs Treffer auf der ersten Seite mit der Einstweiligen Verfügung gegen Wikimedia und den Stasi-Vorwürfen.

Heilmann begeht somit politischen Suizid, denn auch in ein paar Jahren wird man bei einer Internet-Recherche nach seiner Person auf die zur Zeit aktuellen Vorkommnisse stoßen. Es wird immer haften bleiben, dass er derjenige ist, der mal Wikipedia gestoppt hat und dass da irgendwas mit der Stasi war. Ob letzteres stimmt, kann und soll von dieser Stelle aus nicht beurteilt werden. Fakt ist aber, dass die Öffentlichkeit ihn so oder so verurteilen wird.
Ein hoher Preis für nichts, denn der beanstandete Artikel ist nach wie vor online, wenn auch nicht via “www.wikipedia.de” direkt erreichbar.

Seite bookmarken: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Digg
  • del.icio.us
  • Reddit
  • Webnews
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Bloglines
  • Facebook
  • Furl
  • Google Bookmarks
  • Technorati
  • TwitThis
PR-GAU: Lutz Heilmann versus Wikipedia
Dieser Beitrag wurde unter Medien, Netzpolitik abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten auf PR-GAU: Lutz Heilmann versus Wikipedia

  1. Denise sagt:

    Tja da stellt sich die Frage was wirklich mit dieser Einstweiligen Verfügung bezweckt werden sollte..? Diente sie lediglich dazu um diesen Menschen bekannter zu machen, dann hat er sein Ziel erreicht. Wenn auch im Sinne schlechte PR ist besser als gar keine PR.
    Oder ist dies ein weiteres Negativ-Beispiel von einem Menschen, der das Internet und wie selbiges funktioniert nicht “verstanden” hat..? Aktionen, die hohe Wellen schlagen werden nicht so schnell vergessen – dafür sorgt schon das digitale Gedächtnis in Form zahlreicher Suchmaschinen und online Archive.

  2. Jan sagt:

    Diese PR ist so mies, dass ich da aus seiner Sicht nichts Positives ableiten kann. Schlechte PR mag bestimmten Firmen helfen, aber nicht Politikern.
    Inzwischen hat er einen Rückzieher eingeleitet – sh. http://www.heise.de/newsticker/Wikipedia-Sperre-Bundestagsabgeordneter-Heilmann-kapituliert–/meldung/118952
    Heilmann war wirklich nicht gut beraten, so vorzugehen. Wenn, dann hätte er mit eigener Online-PR dagegen steuern müssen.

  3. Pingback: linke Politiker im Internet: zumindest Wikipedia gefördert! | OVERBERG.CC

  4. Pingback: Jan Knöttig // Weblog » Archiv » Solidarität und Schutz nur für Große?

  5. Marc sagt:

    Ich hatte mich auch gewundert, dass der so etwas macht. Der Name bleibt natürlich negativ behaftet im Gedächtniss…
    Ein großer Fehltritt, der wie Du schon sagtest auch in Jahren noch recherchierbar sein wird. Das Internet verzeiht solche besonderen Fehltritte halt nicht. Der hat keinen “Ö” oder einen schlechten “Ö”ffentlichkeitsarbeiter…

  6. Jan sagt:

    Ich habe den Eindruck, dass er gar nicht erst an Öffentlichkeitsarbeit gedacht hat. Als Jurist war für ihn der Fall wohl klar…
    Jetzt wäre noch ein interessanter Aspekt, mal zu überlegen, wie er mit geschickter Ö.-Arbeit seine Ziele erreicht hätte. Ich glaube, darüber schreibe noch was…

    Nachtrag: Der Fall war vorgestern auch bei Zapp ein Thema -> http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_video/0,,OID5117134_VID5113916,00.html (Link z. Video).

  7. Marc sagt:

    Das ist ein sehr guter Beitrag(NDR) dazu – man erkennt dabei aber auch, dass er rein aus seinem juristischen Wissen heraus gehandelt hat(mit welchem er evtl. auch Recht hatte), dabei aber völlig die Auswirkungen unterschätzte(das gibt er m.E. in dem Beitrag auch zu). Ich halte das eigentlich für einen großen Schnitzer mit gutem, glücklichen Ausgang… Interessant wäre es aber trotzdem: Wie kann man als öffentlichkeitswirksame Person gegen solche Dinge vorgehen(ohne jetzt gleich Wellen zu schlagen, indem man die Seite per einstweiliger Verfügung schließen lässt)?

  8. Denise sagt:

    Der Zapp-Beitrag hat mir auch sehr gut gefallen! Neben den von Marc genannten Punkten, fällt mir noch auf, dass Herr H. vielleicht mal das Interview geben mit seinem – leider nicht existenten (?) – PR-Berater hätte üben sollen. Wirkt er auf mich doch recht überfordert mit dem Gespräch oder gar der ganzen Situation… sofern das nicht Absicht der Journalistin war.

  9. Jan sagt:

    @Marc: Wie gesagt, ich glaube, ich mach daraus noch was (“positive Öffentlichkeitsarbeit”)…
    @Denise: Als einfacher Bundestagsabgeordneter ist er nunmal nicht geschult, was den Umgang mit bundesweiten Medien betrifft. Evtl. war das auch sein erstes TV-Interview.
    Er wird in diesen Tagen sehr viel gelernt haben, schätze ich. ;)

  10. Denise sagt:

    @Jan: Das mag schon sein, für mich sind die Begriffe in der Öffentlichkeit stehen und Medien unweigerlich miteinander verbunden… sollte das einem Bundestagsabgeordneten nicht bewusst sein? Vielleicht mag man bei jemandem, der nur im Landtag sitzt anders denken – aber selbst da muss man doch damit rechnen, dass man als Politiker mit den Medien in Kontakt kommt.

  11. Samantha sagt:

    Beispiele für schlechte PR wissen wir viele. Dies aber ist ein von den Besten. Vielleicht kann man das zum Teil verstehen, aber wenn es um Politiker geht, geht das nicht.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>