Tageszeitung vs. Internet

“Wozu benötige ich eine Tageszeitung, wenn ich aktuelle News doch auch kostenlos aus dem Internet erhalte?!?” ist eine Frage, die sicherlich ihre Berechtigung hat. Ist man denn durch das Internet auf gleicher Basis informiert?

Es geht hier nicht darum, ob man ein Fußball-Ergebnis im Internet schneller erfährt als aus der Zeitung, sondern ob man auf gleicher “Bandbreite” informiert wird. Natürlich findet man die “großen Schlagzeilen” auch und schneller im Internet. Dabei ist allerdings auch zu hinterfragen, von welcher Qualität diese Berichte und Meldungen sind. Seriöse Tageszeitungen recherchieren gewöhnlich recht genau zu einem Thema und geben dies dann möglichst wertungsfrei wieder, was bei sehr vielen im Internet veröffentlichten Artikel meistens nicht so sehr der Fall ist. Das kann man zwar pauschal so nicht sagen, es ist aber definitiv so, dass man im Internet schneller mal auf einen Artikel trifft, der mit “heißer Nadel” gestrickt wurde und aus vielen Vermutungen besteht und zudem gleich schon eine “persönliche Note” enthält(wie dieser Artikel hier). Das wäre an sich nicht schlimm – doch die eigene Meinungsbildung könnte hier durch ungewollte Wertungen beeinflusst werden.

Die großen Schlagzeilen sind ja aber auch nur ein kleiner Teil des Zeitungsinhalts. Woher bezieht man die neutralen Informationen zu den regionalen News, zu Ereignissen, die für so manchen nicht mal eine Blog-Meldung oder Portal-Beitrag wert sind? (…die aber vom Zeitungsleser trotzdem als interessant empfunden werden und gerne gelesen werden)

Der Print-Zeitung stehen schwere Zeiten entgegen – das ist klar(zirka 70% der Einnahmen werden bei aktuellen Print-Ausgaben durch Abbonements eingenommen, die Zahl ist jedoch deutlich sinkend). Doch ist es wirklich so, dass die klassische Tageszeitung wegen dem Internet überflüssig wird?
Meiner Meinung nach nicht – da eine solche kompakte, tägliche “Momentaufnahme” des Tages an einer Stelle momentan auch im Internet noch nicht angeboten wird.

Meines Erachtens sind Tageszeitungen auch zukünftig überlebensfähig, solange die Qualität der Artikel und Geschichten stimmt. Was ich mir vorstellen könnte: Dass sich das Medium an sich dahingehend ändert, dass man irgendwann vielleicht mal einen mobilen Monitor hat, auf welchem die Presse Ihre Beiträge auf Abo-Basis veröffentllicht, denn einen Laptop lege ich mir momentan noch nicht auf den Frühstückstisch, um über das “Aktuelle” informiert zu werden. Abo-Basis und kostenpflichtige Beiträge muss man wohl auch zukünftig akzeptieren, will man neutral und qualitativ auf einem gewissen Stand informiert werden. Aktuelle “Pay per Article”-Aktionen so mancher Zeitungen halte ich dahingegen für weniger sinnvoll.

Hier wird man in den nächsten Jahren sehen, wohin die Reise geht. Stellen-Kürzungen im Pressebereich, etc. wären hier ein falscher Weg. Die Qualität sollte gesichert bleiben – das ist zumindest momentan noch das Argument, was für die Zeitungs-Artikel spricht!

(Gastbeitrag von Marc // webthinking.de)

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Tageszeitung vs. Internet
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3 Antworten auf Tageszeitung vs. Internet

  1. Jan sagt:

    Zu Deinem letzten Absatz – da ist m.E. ganz interessant, welche Auswirkungen das auf die Pressearbeit hat: Kurzfristig könnte es hilfreich sein, wenn immer weniger Redakteure immer mehr veröffentlichen müssen. Umso wahrscheinlicher ist es dann, dass Pressemiteilungen ganz berücksichtigt werden, weil der Journalist nur noch darauf achtet, dass die gut lesbar ist und ggf. 1:1 als Artikel übernommen werden kann.
    Langfristig gesehen verlieren die Medien natürlich an Qualität und somit auch Kundschaft – evtl. sogar gerade die Leser, die man mit der Pressemitteilung ansprechen möchte. Das hat dann den Effekt, dass fast alles, was man der Redaktion anbietet anstandslos übernommen wird, aber der Nutzen aus der Sicht des Öffentlichkeitsarbeiters immer geringer wird.

    Wenn ich mich als “Pressereferent” grundsätzlich entscheiden muss, sind mir – glaube ich – Qualitätsmedien, bei denen ich nicht so oft “zum Zuge” komme, trotzdem lieber. Letztlich ist auch die Herausforderung spannender. ;)
    Zu “Printmedien vs. Internetmedien”: Das ist ja so ne Diskussion, die wohl schon seit 10 Jahren ergebnisoffen diskutiert wird – aber trotzdem spannend ist.
    Ich glaube nicht, dass Printmedien aussterben werden, aber der Markt wird in nächster Zeit weiter schrumpfen. Was die oft fehlende Qualität bei Online-Medien betrifft: Es ist auch so, dass oft Online-Redakteure deutlich schlechter bezahlt werden. Will heißen: Ein erfahrener Spiegel(Print)-Redakteur wird nicht zu SPON wechseln, wenn er dafür auf Kohle verzichten muss. Da SPON weniger bezahlt, ist das halt tlw. ein Sammelbecken für Laien, Hobby-Schreiberlinge etc. (etwas überspitzt formuliert). Dann kommt der Zeitdruck hinzu – wie auch in Deinem Artikel angesprochen. Das Nachrichtenportal, das nicht schnell über evtl. Groß-Ereignisse informiert, wird nicht angeklickt und verliert somit Werbeeinnahmen! Ich klicke auch jeden Tag mehrmals auf spiegel.de rum, um ganz schnell zu erfahren, was gerade los ist. Die Qualitätsmedien, die es ja online auch gibt, bekommen weniger Klicks von mir, dafür halte ich mich dann länger auf. Nur daran verdient der Herausgeber weniger.

  2. Marc sagt:

    Ich denke auch, dass nicht SpOn so wirklich das Problem ist – dort würde ich auch eine gewisse Qualität bestätigen. Ich denke eher, dass das Qualitätsproblem in der Vielfalt der gebotenen News-Quellen liegt. Hier beispielsweise auch Weblogs, die eventuell nicht als “Meinungssammlung”, sondern als recherchierter Fakt aufgenommen werden. Schwer zu umschreiben – natürlich sind Weblogs sehr interessant! Allerdings sehe ich Weblog-Beiträge meistens als “Kommentare” an, nicht als neutralen, recherchierten Artikel.
    Letztendlich ist das Problem der Print-News die Aktualität. Wenn die Zeitung morgens im Briefkasten liegt, ist das Ergebnis vom Vortag meistens schon gegen 16Uhr ausführlichst berichtet worden(Internet).
    Natürlich war das früher auch schon per TV oder Radio mögllich. Die “neue” Möglichkeit ist eben die, dass die Informationen “auf Abruf” bereit liegen(Internet) und man nicht mehr warten muss, bis der gewünschte Beitrag gesendet wird.
    Ich denke auch(und hoffe), dass die klassische Tageszeitung weiter überlebt. Ein weiterer Klassiker ist ja das seit Jahren totgesagte “Buch”(E-Books, E-Book-Reader, etc.). Evtl. verändert sich mal das Medium(ich stelle mir eine Art “News-Tablet-Screen” vor, auf welchen die Abos der Zeitungen geladen werden) – das steht aber alles noch in den Sternen und kommt ja meistens ganz anders als gedacht. Ich kann es mir jedenfalls momentan noch nicht vorstellen, eine Art Laptop, anstelle der Tageszeitung für die aktuellen Nachrichten auf den Frühstückstisch zu legen(oder in der S-Bahn, etc.).

  3. Jan sagt:

    Vielleicht ein Kompromiss zwischen Online- und Print-Zeitung:
    Es gibt inzwischen auch schon sog. “elektronische Zeitungen”, auch E-Reader genannt: http://www.innovations-report.de/html/berichte/kommunikation_medien/bericht-58308.html
    Ich glaube aber nicht, dass sich diese Dinger durchsetzen werden…

    Ansonsten kann die klassische Tageszeitung in der Printform m.E. nur überleben, wenn sie einen gewissen inhaltlichen Mehrwert hat. Die vielen kleinen Tageszeitungen, die fast nur noch DPA-Berichte abdrucken, werden irgendwann Probleme bekommen. Andere Tageszeitungen mit ausführlichen Hintergrundinfos (Zeit, Süddeutsche usw.) haben da schon bessere Aussichten.

    Am SPON-Beispiel halte ich fest, ohne pauschales Bashing betreiben zu wollen: Es gibt geniale Artikel, es gibt aber auch grauenhaft minderwertiges Zeugs, tlw. lobbyverdächtig – so ist das halt, wenn man (aus Kostengründen) sehr stark auf freie Mitarbeiter setzt.

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